Jordi Alba
20. Oktober 2012

„Offense wins games, defense wins championships“…

Deportivo La Coruña – FC Barcelona 4:5 (2:4), 34.600 Zuseher

…ist eine jener berühmten Fußballweisheiten, über deren Wahrheitsgehalt stundenlang diskutiert werden kann. Schließlich gewinnen die „Championships“ in der Regel jene Teams, die auch die meisten „Games“ gewinnen. Für den FC Barcelona könnte man diese Weisheit allerdings wie folgt abändern: Mit dieser Defensive gewinnt man keine Titel! Nicht einmal mit Lionel Messi.

Nachdem Vicente del Bosque bei der EM öffentlichkeitswirksam den Mittelstürmer für obsolet erklärt hat, probt Tito Vilanova nun offenbar das Ende des guten alten Innenverteidigers. Zumindest nominell, denn im Auswärtsspiel gegen Deportivo La Coruña liefen bei Barcelona wieder einmal Javier Mascherano und Alex Song im Abwehrzentrum ein, also der defensive Mittelfeldspieler der argentinischen Nationalmannschaft und jener der Auswahl Kameruns. Soll hier irgendwann ein Team aus zehn Mittelfeldspielern das berühmte Tiki-Taka auf das gesamte Spielfeld ausweiten? Also eine neue Form des Totaalvoetbal, in der nicht nur jeder Spieler jede Position einnehmen kann, sondern jede Position quasi gleich zu interpretieren ist? Klingt faszinierend.

Bis es allerdings soweit ist, äußert sich die neue Vision in erster Linie durch haarsträubendes Abwehrverhalten. Zumindest kurzfristig rächt es sich, dass Barcelona in der Transferzeit kein Backup für die verletzungsanfällige Einsergarnitur Puyol und Pique geholt hat. Dazu ein offenbar sakrosanktes katalanisches Nationalheiligtum im Tor, und schon kassiert man vier kuriose Tore gegen einen Abstiegskandidaten. Nicht alle dieser Treffer gehen auf das Konto der Innenverteidigung, aber in der allgemeinen Verunsicherung entstehen dann eben Situationen wie das seltsame Eigentor von Jordi Alba.

Wäre wirklich schade, wenn Vilanovas offensichtliches Bemühen, das alte Credo „zuerst kommt der Ballbesitz und dann lange nichts“ um direkteres Spiel mit mehr Zug zum Tor zu erweitern, an mangelnder Defensivleistung scheitern würde. Denn, wenn Xavi, Iniesta und Busquets, wie in Unterzahl gegen La Coruña, beschließen, den Ball nicht mehr herzugeben, dann gelingt ihnen das schon noch – nach wie vor.

(Milan)

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