Christiano Ronaldo
14. Februar 2013

Football’s Next Topmodel

Real Madrid – Manchester United 1:1 (1:1), 79.429 Zuseher

Ein Kader zum Niederknien, der weltbeste Trainer – alles zu wenig. Real Madrid ist dieser Tage ein Paradebeispiel dafür, dass ein Fußballteam mehr ist, als die Summe seiner Teile. Aber reden wir zuerst lieber wieder einmal über Ronaldo!

Neben einer Jogi-Löw-„Parodie“, die offenbar von einer anderen Übertragung übergeblieben ist, gab’s in der TV-Vorberichterstattung zum Champions-League-Kracher gleich zwei Beiträge über Cristiano Ronaldo – einen über seine Beziehung zum nunmehrigen Gegner Manchester United und eine Art Spurensuche auf seiner Heimatinsel Madeira, die vor allem eines ans Tageslicht brachte: Ronaldo weint oft und viel – bereits in seiner Kindheit (traurig!) flossen andauernd die Tränen; er weint, wenn es im Spiel schlecht läuft, wenn die Mitspieler nicht so tun, wie er will und wenn die Katze Schnupfen hat. Das können sowohl seine Schwester als auch sein Jugendtrainer bestätigen.

Die Experten Frenkie Schinkels und Thomas Helmer hören so etwas natürlich auch gern, ein paar „lustige“ Sprüche gehen sich da schon aus. Das war’s dann aber auch schon mit der Vorberichterstattung, ansonsten kam so gut wie nichts. Nur Ronaldo, Ronaldo, Ronaldo, Ronaldo – Tränen und Frisur. Es mag schon so sein, dass Fußballrezeption über weite Strecken auch nicht anders funktioniert als Soap-Opera-Schauen, aber Real Madrid – Manchester United sollte trotzdem noch etwas anderes sein als Austria’s Next Topmodel.

Gut, ganz unschuldig an seiner Situation ist er nicht, aber dass der Weltstar Nummer zwei angesichts des medialen Irrsinns, der da weltweit täglich auf ihn einprasselt, trotzdem konstant seine Ausnahmeleistungen abrufen kann, verdient schon Respekt. Gegen ManU war Ronaldo einmal mehr bester Mann auf dem Platz – immer präsent, immer gefährlich, mannschaftsdienlich, schönes Tor gemacht (Kopfball am Gel abgerutscht – Helmer lustig).

Seltsamer „Special One“

So wirklich groß war „das Spiel, auf das die Welt wartet“ dann allerdings doch nicht. Tempo war hoch, Leidenschaft groß, der Schiedsrichter ließ viel durchgehen – aber irgendwie wirkten beide Teams seltsam strukturlos. Das Unentschieden geht im Großen und Ganzen in Ordnung – Real mit der größeren spielerischen Klasse, United mit mehr Plan. Doch trotz einer Großzahl an Chancen und vielen feinen individuellen Szenen konnte gerade Real nicht überzeugen. Ein nennenswerter Input von Jose Mourinho ist in der gegenwärtigen Mannschaft fast nicht mehr zu erkennen. Das Grundgerüst steht seit dem Vorjahr, alles Weitere erledigen die Spieler in Eigenregie. „The Special One“ fällt fast nur noch durch Seltsamkeiten auf. Ist beispielsweise Iker Casillas, nachdem Mourinho nun augenscheinlich (und völlig zu Recht natürlich) Diego Lopez Antonio Adan vorzieht, nur mehr dritter Tormann?

Man darf gespannt sein, wie es bei Real weitergeht. Leicht möglich, dass der Mourinho-Spuk nach dem Rückspiel vorbei ist, ManU hat jetzt auf jeden Fall die bessere Ausgangsposition. Leicht möglich aber auch, dass ein unmotivierter, auf seine vorzeitige Entlassung hinarbeitender Trainer noch bis zum Ende der Saison weiterwurschteln darf/muss. So oder so – die Champions League ist heuer nicht drinnen.

(Milan)

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