Brasilien | Quelle: www.bravosport.de
1. Juli 2013

Brasilien – wer sonst?

Brasilien – Spanien 3:0 (2:0), 73.581 Zuseher

Die Selecao holt sich also den Titel, den in ein paar Wochen alle bereits wieder vergessen haben werden. Die Art und Weise, wie Spanien die Grenzen aufgezeigt wurden, war allerdings beeindruckend. Momentaufnahme oder Wachablöse?

Auch jetzt, mit einigem Abstand, weiß ich immer noch nicht, was ich mit diesem Spiel anfangen soll. Dass der Welt- und doppelte Europameister in einem Match dermaßen hilflos wirken, dermaßen klar untergehen kann, muss ich erst einmal verdauen. Brasilien holt sich völlig verdient zum dritten Mal in Folge den FIFA Confederations Cup und damit ein Jahr vor der WM jede Menge Selbstvertrauen, das dieses junge, neu formierte Team nach den vielen Auf uns Abs der letzten Zeit bitter nötig hatte.

Mehr als nur ein Titel

Niemand denkt in diesem Moment daran, dass der Confed-Cup-Sieger noch nie Weltmeister geworden ist, das wäre auch kindisch. Doch das dieser Titel, ja eigentlich das ganze Turnier, für die brasilianische Auswahl ungleich bedeutsamer war, als für alle anderen teilnehmenden Teams liegt auf der Hand. Die treuherzige Versicherung der Spanier, dieser Titel wäre der letzte der ihnen noch fehlt – so what, als letzte Motivation hat das sicher nicht gereicht. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Proteste musste die sich mit den Demonstranten solidarisierende Selecao den  Confed Cup fast holen.

Die Grenzen des Tiki-Taka?

Dennoch war bei diesem Finale im Maracana gut zu sehen, dass Spanien auf manche Fragen einfach keine Antworten findet. Von einer Wachablöse im internationalen Fußball möchte ich nach all den Jahren der unglaublichen spanischen Dominanz zwar noch nicht sprechen – obwohl diese eigentlich auch höchst an der Zeit wäre -, aber es gelingt eben immer mehr Teams, das berühmte Tiki-Taka auch mit spielerischen Mitteln zu knacken. Wenn dann auch noch der Spielverlauf (extrem glückliches frühes Tor), Chancenauswertung (Pedro!) und eben viel, viel mehr Wille dazukommen, dann schaut Spanien plötzlich wirklich komplett schmähstad aus.

Nach dem belohnten brasilianischen Anfangswirbel und bis zum spielentscheidenden 2:0 gegen Ende der ersten Halbzeit schaffte es Spanien allerdings durchaus, sein gewohntes Spiel halbwegs erfolgsversprechend aufzuziehen. Danach war dann Schluss, selbst Xavi und Iniesta wirkten heillos überfordert und auch del Bosque fiel nicht mehr viel ein. Und das anfangs hitzige Spiel entwickelte sich immer mehr zu einem Schaulaufen, das die Spanier nur mehr dann ein wenig störten, wenn die Brasilianer ein bisschen gar zu aufreizend agierten.

Brasilien – wer sonst?

Wie gesagt, schwer zu sagen, welche Lehren aus diesem verwirrenden Spiel zu ziehen sind. Ich glaub, am Ende sind alle froh, dass Brasilien diesen turbulenten Confed Cup gewonnen hat. Ob die Spanier das jetzt selbst so sehen (Confed Cup/WM-Fluch), ob sie ihre Chancenlosigkeit den speziellen Umständen zuschreiben, oder ob sie vielleicht sogar zum Schluss kommen, das eine oder andere bei ihrem Spiel generell nachjustieren zu müssen – diese Niederlage im Maracana wird auch sie nicht allzu sehr stören.

(Milan)

Ein Gedanke zu „Brasilien – wer sonst?

  1. Anonymous

    Dennoch ist Brasilien für mich kein Favorit auf den WM-Titel.

    Das brasilianische Spiel ist sehr auf Neymar zugeschnitten, und ich kann mir seinen Durchbruch bei Barcelona einfach nicht vorstellen. Vor allem, welche Position soll er spielen? Wird er auf die Seite geschoben oder doch in die Mitte, wer macht dann aber Platz für ihn? Und wenn er es nicht schaffen sollte, leidet wohl auch die Selecao darunter.

    Mag sein dass ich mich irre, aber ich schätze Deutschland, Spanien und Italien einfach als breiter aufgestellt ein und somit im Vorteil.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.