RBSalzburg-NEU
20. Januar 2014

Austria’s next Amerhauser

Red Bull Salzburg – FC Bayern München 3:0 (3:0), 30.000 Zuseher

Ich hab es schon länger gespürt. Die Bullen werden mir – schleichend aber doch – sympathisch. Aber warum ist das so? Weil sie einen Erfolg nach dem anderen einfahren? Möglich. Weil die „Retorte“ offensichtlich einen langfristigen Plan verfolgt? Wahrscheinlich.

Na sicher war auch ich als Jugendlicher Fan vom SV Casino/Wüstenrot Salzburg. War ja auch eine geile Zeit. Pfeifenberger, Feiersinger, Jurcevic und Co. – alle strahlten in Boyband-Charakter von meinen Wänden. „Und der Amerhauser! Jo, fesch warns ja wirklich!“ – stimmt eh auch, Mama. Vor allem war’s aber eine großartige Mannschaft, die Fußball-Österreich Kopf stehen ließ.

Als der Verein mittels verleihten Flügeln 2005 zu einem eigenartigen Irgendwas in der österreichischen Fußballszene mutierte, das grausliche, aber irgendwie charmante Lehen-Stadion zu einer Hightech-Arena, war mir das alles zu viel. Das Otto-Konrad-Gedächtnisdress liegt seitdem wie alle violett-weißen Trikots vor sich hin staubend im Schrank. Die Faschingszeit könnte vielleicht Anlass für eine Verwendung sein. Für mehr reicht’s nicht, der Quehenberger-Baric-Verein von früher ist längst Geschichte.

Zwischen Jara und Schmidt

Die Red-Bull-Ära bestätigte zu Beginn genau das, was der romantische, treue Fußballfan befürchtete: Null Kontinuität, null Struktur, folglich null Identität. Ergibt null Euphorie. Zwischen Kurt Jara und Roger Schmidt liegen vier Trainer innerhalb von nur sechs Jahren. Eine Recherche, wie viele Spieler das Bullen-Dress trugen, erspar ich uns.

Aber jetzt ist irgendwie alles anders. Was, wenn ich nun zum Fan vom Verein Red Bull Salzburg mutiere? Ja, genau, weil er wunderbaren Tempofußball spielt, super Typen in seinen Reihen hat, einen feinen Kerl als Trainer. Weil er in der Bundesliga die Gegner zerlegt, weil er in der Europa League die Gegner zerlegt. Weil er auch für Österreicher eine sinnvolle Plattform darstellt (Hinteregger, Klein, Leitgab, Illsanker, Meilinger, Schiemer, Ulmer, Hierländer, Lazaro, Zulj). Und natürlich weil sie die Bayern geschlagen haben.

Zusammengefasst: Weil sie mich euphorisiert haben. Weil genau das spürbar und offensichtlich ist, was sieben Jahre verschwitzt wurde: Kontinuität und Struktur.

Happy Bundesliga

Die Bundesliga kann sich mehr als nur glücklich schätzen. Meine Zimmerwand von damals, sie wäre wohl bereits voll mit Postern von den „Rockstars“ Kampl, Alan, Soriano & Co. Auch wenn der große Coup noch fehlt: Der neutrale Fußballfan wird den Weg ins Stadion nicht mehr kategorisch ausschließen. Brillanten Fußballern sieht man gerne auf die Beine.

So hoffentlich auch am 2. Februar, wenn Salzburg die Frühjahrssaison in Wr. Neustadt eröffnen wird. Alles andere als ein klarer Erfolg der Bullen wäre natürlich überraschend. Freuen würd’s nur die Schundblätter, die sich über den „Champions-League-Sieger-Besieger“ lustig machen werden, wenn dort nicht das nächste Feuerwerk gezündet wird. Ignorieren ist die Devise! Denn viel wichtiger ist der 20. Februar: Gegen Ajax Amsterdam hat auch der Wüstenrot-Vorgänger große Erfolge gefeiert – vielleicht ein gutes Omen für weitere Jubelszenen des aktuellen österreichischen Aushängeschilds, Red Bull Salzburg. Viel Glück!

(Bimpo)

Ein Gedanke zu „Austria’s next Amerhauser

  1. fch

    Ich kann das nur Eins zu Eins unterschreiben. Als langjährigen Red Bull Kritiker gehen einem bald die Argumente aus. RB setzt vieles um, was man von anderen Vereinen schon lange fordert.
    Die Bundesliga als Ausbildungsliga zu begreifen. Know-How aus dem Ausland zulassen. Keine Verhaberung. Keine finanziellen Abenteuer (okay, nicht sonderlich schwer – aber man verzichtet immerhin darauf, sich überteuerte Altstars zu checken. RB könnte noch viel mehr reinpulvern).

    Manche Vorwürfe bleiben allerdings: Das erkaufen der Erstliga Lizenz ohne Zugeständnisse an die Tradition der Austria Sbg. Die zweifelhafte Kooperation mit Liefering (da ist aber auch die Bundesliga Schuld). Und vor allem diese grauslige Dominanz, die meinem Verein einen Meisterteller auf Jahre verbauen wird und die Liga auch unspannend machen kann. Kein Argument, aber eine Emotion. Und eben diese vielleicht irrationalen Emotionen, die aber im Fußball alles ausmachen, werden nicht zulassen, dass ich irgendwann ein richtiger RB Fan werde.

    Trotzdem alles Gute gegen Ajax – und alles Schlechte gegen Neustadt! 😉

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