Europa League_2
15. Mai 2013

Anti-Fußball holt nächsten Europacup

Benfica Lissabon – FC Chelsea 1:2 (0:0), 46.000 Zuseher

1:2 in der 92. Minute – da war doch was … Benfica zerstört sich leichtfertig eine weitgehend überragende Saison – und der FC Chelsea taumelt zum nächsten Titel. Gerechtigkeit im Fußball ist nicht mehr als eine Illusion.

Endspiel-Inflation in Lissabon“ titelten wir in der Vorwoche an dieser Stelle. Es war definitiv kein gutes Vorzeichen für die Portugiesen. Die „Encarnados“ haben seither zwei der drei Endspiele in der Nachspielzeit hergeschenkt. Seit dem Europapokalsieg von 1962 (in Amsterdam!) hat man damit das siebente Europacup-Endspiel en suite verloren. Das Image von Coach Jesus – der als harter Arbeiter, aber letztendlich glückloser Übungsleiter gilt – ist auch zementiert.

Wie uninspiriert man in ein Europacup-Finale gehen – und letztendlich auch gewinnen – kann, demonstrierte wieder einmal der FC Chelsea. Der Anti-Fußball des vorjährigen Champions-League-Finales gegen die Bayern ist im Stammhirn noch präsent. Und auch dieses Mal vermochten die biederen Londoner in einem europäischen Endspiel nicht zu überzeugen. Der FC Chelsea ist jetzt aber sowohl amtierender Champions-League- als auch Europa-League-Sieger – zehn Tage lang. Zudem reiht man sich in den illustren Kreis jener Mannschaften ein, die alle drei Europacup-Bewerbe gewonnen haben (neben Chelsea: Juventus, Bayern, Ajax). Rafael Benitez hat seinen zehnten Titel eingefahren und wie José Mourinho – sein wahrscheinlicher Nachfolger beim FC Chelsea – als Trainer sowohl die Champions- als auch die Europa-League gewonnen.

Chelsea verteidigte in der ersten Halbzeit fahrlässig tief, schob den Riegel erst kurz vor dem eigenen Fünf-Meter-Raum vor. Mit Fehlpassstafetten wurde Benfica zusätzlich eingeladen, den Kasten von Petr Cech zu befeuern. Die Portugiesen hätten diese Spielweise in den ersten 45 Minuten bestrafen und konsequenter von der Strafraumgrenze abziehen müssen. „Good composure“ stellte der sonst blass gebliebene Torres beim 1:0 unter Beweis. Luisão wusste, dass er sich auf kein Laufduell mit dem Spanier einlassen kann – er versuchte deshalb seinen Körper dazwischen zu werfen, doch Torres blieb standhaft. Der zu jedem Zeitpunkt brandgefährliche Óscar Cardozo verwandelte wenig später den Hand-Elfmeter trotz Krampfattacke souverän (Weiß Jürgen Klopp, dass seine Ballbehandlung und physische Konstitution frappant an Robert Lewandowski erinnert?). Beim späten Chelsea-Eckball, der zum entscheidenden 2:1 führte, verließ Gaitán viel zu früh seine Position am kurzen Pfosten – so fehlte die Absicherung, als sich der Ivanovic-Kopfball über Keeper Artur hinweg ins Tor senkte. Große Endspiele werden durch Kleinigkeiten entschieden…

(Ruas)

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